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Donnerstag, 17.05.2012

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Geseke und die Hexen

Von unrühmlicher Geschichte und liebenswerten Traditionen

Begebenheiten wie die Hexenprozesse von Geseke, die dem 17. und 18. Jahrhundert zugeschrieben werden, die Hexenverfolgung oder gar Hexenverbrennung zählen sicherlich zum eher unrühmlichen Teil der Stadtgeschichte. Soweit in Anspielung auf die damaligen Ereignisse gelegentlich der Begriff "Hexen-Geseke" für die Hellwegstadt genutzt wird, erfüllt dies die Geseker auch nicht unbedingt mit Stolz.

Scherzhaft könnte man mutmaßen: Hätte es doch nur damals schon die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Geseke gegeben ... So manches wäre vielleicht nicht geschehen. Aber die ernste Thematik eignet sich nur bedingt für Scherze.

Der Hexenturm in Geseke
Der Hexenturm in Geseke
Soweit heute bekannt ist, fanden in Geseke in der frühen Neuzeit nicht mehr (aber auch nicht weniger) Hexenprozesse statt, als andernorts. Ein kulturhistorisch wertvolles Zeugnis aus der Zeit der Hexenprozesse ist der Pulverturm, auch "Hexenturm" genannt, da der Überlieferung nach dort die Hexen gefangen gehalten wurden. Die Überreste dieses Turmes, der Bestandteil der Stadtbefestigung war, können Sie bei einem Spaziergang über die Geseker Wallanlage noch heute besichtigen. Der "Hexenturm" an der Ostmauer steht heute unter Denkmalschutz.

Darf es etwas mehr sein?

Sie möchten mehr über die unseelige Zeit des Hexenwahns in Geseke erfahren oder in historischen Dokumenten recherchieren? Sie wünschen fundierte Auskünfte und geschichtliche Hintergrundinformationen? Dann empfehlen wir Ihnen einen Besuch im Geseker Stadtarchiv. Eine telefonische Voranmeldung ist zweckmäßig.

Die "Hexenstadt" Geseke heute:

Die Zeiten der Hexenprozesse liegen lange zurück. Und das ist gut so. Geseke ist heute eine moderne, liebenswerte Stadt mit ausgesprochen friedfertigen, toleranten sowie weltoffenen Bürgerinnen und Bürgern. Der Begriff "Hexen-Geseke" steht in der Gegenwart eher für durchweg begrüßenswerte Dinge und Traditionen, die den Gesekern lieb und wichtig geworden sind. In diesem inhaltlichen Zusammenhang benutzt, haben die Hellwegstädter auch überhaupt kein Problem mit der Bezeichnung "Hexen-Geseke". Die "hexenmäßigen" Aktivitäten der Gegenwart sind bunt und vielfältig:

Da wären zum einen die "Stiftshexen" (siehe auch: Stiftskirche) zu nennen, die insbesondere in der Karnevalszeit ihr Unwesen treiben und jedes Jahr zur Weiberfastnacht das Rathaus stürmen. Wenn Sie dieses Spektakel einmal live erleben möchten, laden wir Sie herzlich ein, beim nächsten Weiberkarneval um 11.11 Uhr am Alten Rathaus (Geseke, Am Teich 13) das närrische Programm zu verfolgen.

Hier sehen Sie den alljährlichen Rathaussturm, in dessen Verlauf der Bürgermeister von den furchterregenden "Weibern" genötigt wird, den Rathausschlüssel und damit die Amtsgewalt an die Hexen zu übergeben. Die Hexen bestimmen dann für die Dauer der närrischen Tage die Geschicke der Stadt. Ein buntes Rahmenprogramm mit karnevalistischen Reden, Musik und Tanz ist stets fester Bestandteil der närrischen Machtergreifung, die sich seit Jahren äußerster Beliebtheit erfreut.

Eine lange Tradition hat auch das allseits geschätzte "Hexenstadtfest", das stets mit zahlreichen Attraktionen für Groß und Klein aufwartet und auch überregional sehr bekannt ist. Das Hexenstadtfest zählt neben der Gösselkirmes und den Schützenfesten zu den regelmäßigen großen Volksfesten der Hellwegstadt. Die alljährliche "Hexen-Rallye", zu der prachtvolle Oldtimer von ihren stolzen Besitzern präsentiert und durch Gesekes Straßen gelenkt werden, bildet stets ein Highlight im Programm der Gösselkirmes. Der seit 1993 stattfindende "Hexenstadt-Lauf" (Ausrichter: LG Geseke) ist ebenfalls fester und wichtiger Bestandteil des Geseker Veranstaltungskalenders.

Ein wahrer Bestseller ist das seit 1982 vertriebene "Hexenkochbuch" der Geseker Landfrauen. Das Kochbuch enthält erprobte Rezepte der Landfrauen. Es fehlt in kaum einem Geseker Haushalt und wurde darüber hinaus hunderttausendfach im In- und Ausland verkauft. Mit einem Teil der Verkaufserlöse unterstützen die Landfrauen die Arbeit der Lebenshilfe e.V., Lippstadt, einer Einrichtung, die geistig und körperlich behinderte Menschen betreut. Der internationale Erfolg dieses Kochbuchs überraschte selbst die Landfrauen. Mit einer derart gewaltigen Nachfrage (es grenzt schon fast an Hexerei) hatte niemand gerechnet.

Sie haben noch kein Hexenkochbuch?

Das Buch kann zum Preis von 9,80 € inkl. Porto und Verpackung käuflich erworben werden unter folgender Adresse:

Elisabeth Engels
Völmeder Straße 65
59590 Geseke
Tel.: 02942/8440

Geseke und die Hexen:

Aus unrühmlicher Geschichte entwickelten sich liebgewonnene Aktivitäten und Traditionen. Bleibt zu hoffen, dass in "Hexen-Geseke" und andernorts auch zukünftig ausschließlich auf solch humorvolle und nachahmenswerte Weise die Hexentradition hochgehalten wird.

Besuchen Sie Geseke.

Es lohnt sich ...

... nicht nur der Hexen wegen!