Bildcollage aus Geseker Ansichten
Willkommen in Geseke
Aktuell
Bürgerservice
Politik
Stadtinfos und Tourismus
Wirtschaft
Gesundheit
Soziales
Kontakt
Montag, 23.10.2017

Schriftgröße

+ | - |  Standard

Darstellung

Suche

Junger Held oder Pfaffen Feind? - Vortrag beschäftigt sich mit Christian von Braunschweig

"Junger Held? Doller Bischof? Pfaffen Feind? - Zur Nachgeschichte Christians von Braunschweig-Wolfenbüttel (1599-1626) und seinem Bild in Westfalen". Unter diesem Titel steht ein Vortrag des Historikers und ehemaligen Kulturdezernenten der Bezirksregierung Münster Hans-Peter Boer, der am Montag, 16. Oktober, um 19.30 Uhr im Veranstaltungsraum der Sparkasse Geseke, Bachstraße 35, stattfindet. Der Vortrag bildet einen weiteren Programmpunkt im Jubiläumsjahr der Stadt Geseke. Der Eintritt ist kostenlos.

In der facettenreichen Geschichte des Dreißigjährigen Krieges zählt der Administrator des Bistums Halberstadt, Herzog Christian von Braunschweig-Wolfenbüttel, zweifellos zu den Persönlichkeiten, auf die Schillers Bemerkung über Wallenstein passgenau zutrifft: "Von der Parteien Gunst und Hass verwirrt, schwankt sein Charakterbild in der Geschichte!"

Für die einen ist er ein jugendlicher Held, ein tapferer Draufgänger, ein Troupier von großen Fähigkeiten und höchst getreuer Cavalier; die anderen dagegen sehen in ihm einen "üblen Landstörzer", Brandstifter, Mordbrenner, verräterischen Schelm und eifernden Fanatiker. Der unbestreitbare Einsatz des "Tollen Christian" für die evangelische Sache und seine Cousine Elisabeth Stuart, die Gattin Friedrich V. von der Pfalz, die sogenannte Winterkönigin, erscheint vielfach wie eine zu spät gekommene Ritter-Romanze.

Über die inzwischen verstrichenen vierhundert Jahre hinweg ist das Bild Christians von Braunschweig-Wolfenbüttel noch immer markant, zahlreiche Hinweise in Kunst und Literatur zeigen die über die Generationen andauernde Beschäftigung mit dieser herausfordernden Persönlichkeit. Dabei weichen die Urteile über seine Persönlichkeit schroff voneinander ab. Gerade im Hochstift Paderborn, in den Städten des Sauerlandes und am Hellweg, besonders auch in Geseke, lebt die Erinnerung an den "kühnen Aventurier" nach.

Das Schicksal des kühnen Heerführers hat sich dann im Münsterland weitgehend besiegelt, im "Lohner Bruch" zwischen Ahaus und Stadtlohn nämlich. Hier fochten der Halberstädter und der Kaiserliche Generalissimus Tilly am 24. August 1623 eine der großen Schlachten des Dreißigjährigen Krieges aus. Sie endete für Christian von Braunschweig in einer totalen Niederlage und mit dem Verlust seiner Armee. Nach weiteren wechselvollen Schicksalen starb der junge Herzog drei Jahre später in Wolfenbüttel und wurde in der dortigen Welfengruft beigesetzt.

Der Vortrag versucht, das Leben und die Handlungsmotive der "Dramatis Personae", insbesondere Christians und seiner Verwandten darzustellen. Er weist aber auch auf die erstaunlich modernen Methoden von "Public Relation" und Meinungsmache hin, die schon im 17. Jahrhundert zum politischen Alltagsgeschäft gehörten. Mehrere weitgehend unbekannte Quellen und Texte runden das Bild ab.

Zum Referenten: Hans-Peter Boer (geboren 1949 in Nottuln) beschäftigt sich seit Jugendtagen mit westfälischen Themen. Er hat zahlreiche Aufsätze und Bücher zu Themen der Landes- und Kunstgeschichte sowie der Volkskunde veröffentlicht. Zwischen 1972 und 2005 war er als Lehrer an Schulen im Münsterland tätig, zuletzt seit 1996 am Gymnasium in Senden. Von 2005 bis 2014 leitete Boer das Kulturdezernat der Bezirksregierung in Münster.